Genetische Varianz bei den Kromfohrländern       aus dem VRK-Einkreuzprojekt

Zwischenbilanz Stand Mai 2018

 

Irene Sommerfeld-Stur benennt in Ihrem Buch "Rassehundezucht" das Problem der Kromfohrländer sehr genau.

 
Zitat aus dem Buch: "Rassehundezucht" - Prof. Dr. I. Sommerfeld-Stur:

 

"Eine der betroffenen Rassen (Anmerkung - betroffen vom Verlust der genetischen Varianz) ist der Kromfohrländer.

Diese Rasse ist geprägt durch einen extremen Founder-Effekt, denn alle heutigen Kromfohrländer gehen auf zwei Hunde zurück. Von Anfang an daher  nur mit einer sehr geringen genetischen Varianz ausgestattet, ist diese im Laufe der Generationen noch geringer geworden. Die Folgen sind sichtbar.

Nicht nur eine Reihe von schwerwiegenden Autoimmunerkrankungen wie Pemphigus, SLO (Symmetrische Lupoide Onchodystrophie), SLE (Systemischer Lupus Erythematodes), Myastenia Gravis, hämolytische Anämie, Polyarthritis und Vaskulitits  sind in der Rasse bekannt, auch andere genetische Erkrankungen wie Cystinurie, Hyperkeratose der Pfotenballen, Epilepsie und Katarakte treten bei Hunden dieser Rasse einzeln oder in Kombination auf."

 

 

Je grösser die genetische Varianz eines Hundes ist, desto besser kann der Organismus funktionieren und sich auf innere und äußere wechselnde Bedingungen einstellen.

 

Nun wissen wir, dass beim Kromfohrländer ein grosser Verlust der genetischen Varianz vorliegt. Der Kromfohrländer hatte bereits einen sehr schweren Start punkto Gen-Diversität, während den Jahrzehnten der Zucht und der auftretenden Inzuchtdepression wurde die Genvielfalt noch schlechter.

 

Genverluste in geschlossenen Populationen kann man nicht wieder rückgängig machen. Was verloren ist, bleibt verloren.

 

Das Einkreuzprojekt des Vereins für Rauhaarige Kromfohrländer e.V. / VRK hat zum Ziel, wieder eine grössere Genvielfalt in die Rasse zu bringen.

Frau Sommerfeld-Stur benennt in Ihrem Buch auch explizit das Projekt des VRK und bemerkt, dass durch dieses Einkreuzungsprojekt "eine nach-haltigere Erweiterung der genetischen Varianz zu erwarten ist".

Dass die Kromfohrländer aus dem VRK-Einkreuzprojekt genetisch aufgefrischt sind, wissen wir. Es ist dennoch schön, dies auch schwarz auf weiss und anschaulich vor Augen zu haben.

 

Wir dürfen Beispiele zeigen für die genetische Diversität bei den VRK-Kromfohrländern. Als Grundlage dient die Auswertung des finnischen Labors Genoscoper - hier der Gentest "MyDogDNA".

 

Er weist (u.a.) die genetische Diversität für jeden getesteten Hund aus.

 

 

 

Als Basis zum Verständnis hier die Angabe für den reinrassigen Kromfohr-länder FCI gemäss Genoscoper.

 

Die Rasse der Kromfohrländer weist eine genetische Diversität von 25,9% auf (Stand 13. Mai 2018).

Der durchschnittliche Rassehund zeigt einen Wert von 33,8% auf, der Durchschnitts-Mischlings-Hund erreicht 44,2%.

 

Schon im Vergleich vom Kromfohrländer zum Ø Rassehund wird klar, dass der Kromfohrländer massiv schlechter abschneidet, seine Genvielfalt ist kleiner als die des Ø Rassehundes.

 

 

 

Noch eine wichtige Bemerkung zur Datensammlung von Genoscoper/MyDogDNA:

Der grösste Teil der bei Genoscoper getesteten reinrassigen Kromfohrländer FCI stammt aus der finnischen Population. Es sind deutlich weniger Kromfohrländer aus anderen Ländern im System gelistet. Der Wert der reinrassigen Kromfohrländer FCI wäre mutmasslich leicht tiefer, wenn auch viele Kromfohrländer aus Deutschland und der Schweiz geprüft wären.

 

Wichtig ist auch zu wissen, dass bei den Kromfohrländern FCI auch die Einkreuzkromfohrländer aus dem offiziellen finnischen Kromi-Einkreuzprogramm gelistet sind. Diese bringen als F1-Generation eine bessere Diversität mit und erhöhen den Gesamtwert. Trotzdem liegt der Wert bei nur 25,9%. Ohne diese Einkreuzkromfohrländer mit Registerpapieren wäre der Wert der genetischen Diversität der reinrassigen Kromfohrländer FCI tiefer.

Für den Vergleich mit den Kromfohrländern aus dem VRK-Einkreuzprojekt spielen ein paar Prozente mehr oder weniger keine Rolle. Die Unterschiede sind auch so gut sichtbar.

 

 

Hier nun einige Testergebnisse von reinrassigen Kromfohrländern FCI:
die Werte liegen zwischen 24,4% bis 26,5%

 

Wie schaut es jetzt bei den Kromfohrländern aus dem VRK-Einkreuzprojekt aus?

Das Einkreuzprojekt des VRK ist auf starke Flexibilität ausgelegt, was das Rückkreuzen betrifft. Die Einkreuzungen werden mehrfach vorgenommen. Der Kromfohrländeranteil sollte beim jeweiligen Hund nicht zu hoch sein, damit man nicht zu schnell wieder bei der alten Problematik der gehäuft auftretenden Krankheiten landet.

 

 

Beim Lesen der Grafiken denken Sie bitte immer an die 25,9% der Reinrassigen - und damit vergleichen sie dann die Werte der VRK Einkreuz-Kromfohrländer.

Der türkisfarbene Teil benennt die Summe der Rassehunde.

 

 

 

F1

F2

F3

F4

 

Es liegen nun also wissenschaftlich abgesicherte Nachweise für das Funktionieren des VRK-Einkreuzungs-Konzepts vor. Die Genvielfalt soll erhöht werden und man sieht anhand der Grafiken deutlich - das Ziel wird erreicht.

 

Auch Hunde aus dem VRK Einkreuzprojekt in der mehrfachen Einkreuzgeneration haben einen hohen Anteil an genetischer Varianz - würden wir schnell wieder rückkreuzen, wäre der Prozentsatz deutlichst kleiner.

 

Dass man beim Einkreuzen auch den Phänotyp des Kromfohrländers im Auge haben muss, ist selbsterklärend.

 

Die Kromfohrländer aus dem VRK-Einkreuzprojekt, welche die obigen Werte erreichen, sind alle bärtig und stehen im Phänotyp des Kromfohrländers. Wie der Genotyp punkto der genetischen Diversität ausschaut, haben Sie oben bei den Grafiken feststellen können.


Grundsätzlich können Sie alle Kromis aus dem Einkreuzprojekt in den jeweiligen Wurfgalerien betrachten - auch unsere Bildergalerie bietet einen guten Überblick.

eine lose Auswahl an Bildern von Kromis aus dem VRK-Einkreuzprojekt

 

Und das Wesen? Sie sind alle sehr kromitypisch, mit einer hohen Sensibilität, aber sie stehen dennoch mit allen vier Beinen auf dem Boden der Hunde-Welt... geerdet und doch sensibel...

 

Wichtig zu bemerken ist - die genetische Vielfalt ist kein alleiniges Heilmittel und auch keine 100% Versicherung für Krankheiten.

 

Aber - ein Hund mit einer hohen genetischen Vielfalt - hat bessere Aussichten, mit den gesundheitlichen Problemen, die auf ihn einwirken können, fertig zu werden.

 

Die Auswertungen freuen uns und machen Mut für Künftiges!

 

 

*****************************

 


Wer sich  noch mehr ins Thema vertiefen will, dem empfiehlt der VRK die Website von Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur. Sie hat viele sehr gut verständliche Artikel zum Thema Genetik veröffentlicht.

 

 

 

Das Thema genetische Varianz wird hier von ihr sehr anschaulich erklärt.

Ihr Buch "Rassehundezucht" kann auch jedem Interessierten ans Herz gelegt werden.